Im Feuer der Wandlung - Im Märchen und im Leben

Im Feuer der Wandlung – Im Märchen und im Leben


Das Feuer und seine elementare, verwandelnde Kraft im Märchen, im Leben und in der eigenen Persönlichkeit

Mögen meine persönlichen Lebenserfahrungen und daraus resultierenden Gedanken eine Einladung an Dich sein, zu hinterfragen, zu philosophieren und Dich mit Deinem ureigenen Spirit und Deinem inneren Feuer zu verbinden.

Inhaltsangabe:

  1. Das Feuer – ein urbildhaftes Element
  2. Feuer als ein Bild für Begeisterung – Wofür brennst Du?
  3. Feuer als Brücke zu Gott
  4. Feuer als ein Bild für Initiation und Erwachsenwerden
  5. Feuer als ein Bild für Transformationsprozesse und Wandlung
  6. Feuer als ein Bild für Wut und auch für Kraft
  7. Feuer als ein Bild für Leidenschaft
  8. Feuer als ein Bild für Willenskraft
  9. Feuer als ein Bild für die Liebe
  10. Das Herdfeuer als Bild für Geborgenheit und Heimat
  11. Lied „Hüter des Feuers“

1. Das Feuer – ein urbildhaftes Element

Feuer als eines der vier Naturelemente hat viele Gestalten. Es zeigt sich beispielsweise als Sonne und als Sterne, als feuerspuckende Vulkane und mythischen Drachen, als Lagerfeuer und Herdfeuer, als Verdauungsfeuer und Fieber, als Wut und Liebe.

Das Feuer - ein urbildhaftes Element

Im Osten geht die Sonne auf, der Himmel färbt sich bei Sonnenaufgang flammend orange und lässt den Himmel „glühen“. Es wirkt sinnbildlich so, al sei das Leben zurückgekehrt. Das Licht bricht sich durch das Dunkel. Die Nacht, in der Dunkelheit und Kälte herrschen, weicht dem lichtvollen Tag. Das gleißend helle Feuer der Sonne wärmt mit ihren Strahlen zunehmend den Tag auf dem Planeten Erde und alles, was auf ihr lebt und webt. Feuer setzt also etwas in Bewegung – Lebensprozesse werden angeregt und angefeuert, werden erhitzt, zum Sieden und Kochen gebracht, aber auch zum Verbrennen, Verdunsten, Schmelzen… Feuer ist Transformation und Wandlung!

Auch im symbolischen Sinne, ist das Feuer der Wandlung in jedem psychischen Prozess am Wirken und führt zu (Persönlichkeits-)Entwicklung, (Lebens-)Veränderung, zu Auflösung alter Identifikationen und des mangelhaften Selbstbildes.

„Er hatte aber gehört, dass auf dem Schloss der goldenen Sonne eine verwünschte Königstochter sässe, die auf Erlösung harrte; es müsste aber jeder sein Leben daran wagen, schon dreiundzwanzig Jünglinge wären eines jämmerlichen Todes gestorben und nur noch einer übrig, dann dürfte keiner mehr kommen. (…)
„Wenn du den Berg, auf dem das Schloss steht, hinabgehst, so wird unten an einer Quelle ein wilder Auerochs stehen, mit dem musst du kämpfen. Und wenn es dir glückt, ihn zu töten, so wird sich aus ihm ein feuriger Vogel erheben, der trägt in seinem Leib ein glühendes Ei, und in dem Ei steckt als Dotter die Kristallkugel. Er lässt aber das Ei nicht fallen, bis er dazu gedrängt wird, fällt es aber auf die Erde, so zündet es und verbrennt alles in seiner Nähe, und das Ei selbst verschmilzt und mit ihm die kristallne Kugel, und all deine Mühe ist vergeblich gewesen.“
Als der Jüngling zu dem Zauberer ging und sie ihm vorhielt, so sagte dieser „meine Macht ist zerstört, und du bist von nun an der König vom Schloss der goldenen Sonne. Auch deinen Brüdern kannst du die menschliche Gestalt damit zurückgeben.“

Aus „Die Kristallkugel“ – Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Das Feuer im Außen, als lebenserbauendes Element ist – neben Wasser, Erde und Luft – lebensnotwenig. Ohne die Kraft der Sonne, ihrer Energie, ihrer Wärme und ihrem Licht, gibt es kein Leben und kein Wachstum auf Erden. Die Sonne spiegelt sich zudem im Innern eines jeden Lebewesen. Auch wir selbst tragen in uns die Sonne, in jeder Zelle unseres Körpers existiert Licht, und ebenso in unserem Geist. Über das Kronen-Chakra, verortet an der Schädeldecke, nehmen wir die Energie der Sonne unaufhörlich in uns auf. Unsere Körper transformieren die Sonnenenergie in zellumwandelnde, lebenserbauende und lebenserhaltende Prozesse.

2. Feuer als ein Bild für Begeisterung – Wofür brennst Du?

Das Feuer der Begeisterung

Wenn wir von etwas be-geist-ert sind, brennen wir dafür. Sei es eine Vision, ein Projekt, eine Unternehmung oder ein anderer Mensch. Geist ist Spirit. Wir sind be-geist-erte, spirituelle Wesen, die einen Körper bewohnen. Am Tage nehmen wir Sonnenenergie auf, die Lebensprozesse im Körper in Gang setzt und in Gang hält.

Doch da wir nicht nur vegetieren, sondern auch reflektierte Wesen sind (die über etwas nachdenken, Prozesse erkennen und einen Bezugsrahmen erstellen können), stößt die Sonnenenergie auf Resonanz mit unserer inneren Sonne, unserem Spirit. Und stößt somit etwas Neues, Einzigartiges in Bewegung. Es ist ein kreativer Prozess. Hier entstehen Ideen, fallen Eingebungen in uns ein, geschehen Aha-Momente und neues Leben!


Wenn diese zwei Energien aufeinander stoßen, gibt es einen synergetischen Knall, einen Urknall sozusagen, der zum „Ur“heber von etwas Neuem wird – in jedem Moment, auch wenn uns das nicht bewusst ist.

„Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !“

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1995, ein Auszug

3. Feuer als Brücke zu Gott

Feuer als Brücke zu Gott

Für mich persönlich ist GOTT das Große Ganze, der Great Spirit. Alles, was existiert sind vielgestaltige Ausdrucksformen seiner Schöpferkraft. Das Feuer in mir ist eine Gabe Gottes. Als menschliches Wesen, das Materialisierung erfährt und sich darin und dadurch bewegt, ist für mich die Einheit mit Gott auch durch das Naturelement Feuer erlebbar. Gott ist unfassbar und ohne Gestalt. So dienen mir die Urbilder des Lebens als Brücke zu Gott. Mein Geist ist ein Strahl des Great Spirit. Meine innere Sonne ein Funke Gottes.

3. Feuer als ein Bild für Initiation und Erwachsenwerden

Feuer als Bild für Neues Leben

Bei einer Explosion entsteht oftmals Feuer, eine enorme Hitze und Energie wird freigesetzt. Einerseits wird etwas zuvor Dagewesenes zerstört, andererseits die Entstehung von etwas Neuem, nie zuvor Dagewesenem, ausgelöst. Das Feuer wird zum Transformator, Gestaltwandler, Katalysator…„Stirb und Werde“, wie Phönix aus der Asche, der verbrennt und sogleich verjüngt wieder aus seiner Asche neu entsteht.

So auch im Volksmärchen „Wassilissa die Wunderschöne“. Erst als Wassilissa die Stiefmutter und die Stiefschwestern mithilfe des glühenden Feuerschädels zu Asche verbrennt, kann sie ihren Weg fortsetzen, ihren Weg zum Höchsten Ziel – der Hochzeit mit dem Zaren und ihrer Verbindung mit der königlichen Würde, dem Höchsten in sich.

So wird mithilfe des Feuers (das sie bei der Hexe Baba Jagá aus dem Wald holen muss, um das Feuer im Herd zuhause wieder zu entfachen) aus dem abhängigen Mädchen eine erwachsene, selbständige Frau, die sich auf sich selbst verlassen kann!

Die Initiation in das Erwachsensein übernimmt die Baba Jagá, die Hüterin des Lebensfeuers. Nur wer den Tod nicht scheut und die Mysterien des Lebens respektiert, kann sein Feuer am Leben halten und für sich und andere „brennen“ und sich und andere wahrhaft lieben.

„Wassilissa trat mit Angst an die Alte heran, verneigte sich tief und sagte: „Ich bin´s, Großmütterchen! Die Stiefschwestern haben mich zu Dir nach Feuer geschickt.“ – „Recht so“, sagte die Baba Jagá, „die kenne ich. Bleib du eine Weile bei mir und arbeite für mich, dann gebe ich dir auch Feuer. Willst du nicht, so fresse ich dich!““…„Sie zerrte Wassilissa aus der Stube und stieß sie vors Tor, nahm vom Zaun einen Schädel mit glühenden Augen, steckte ihn auf einen Stock, gab ihn ihr und sprach:

„Da hast du Feuer für die Töchter der Stiefmutter, nimm es; deshalb haben sie dich doch hergeschickt.“…Hoffentlich wird sich dein Feuer halten“, sagte die Stiefmutter. Sie trugen den Schädel in die Stube, aber die Augen aus dem Schädel blickten unverwandt auf die Stiefmutter und ihre Töchter und sengten sie. Sie wollten sich verstecken, doch wohin sie auch rannten – die Augen folgten ihnen überall hin. Am Morgen waren sie ganz zu Kohle verbrannt, nur Wassilissa war unversehrt geblieben“

„Wassilissa, die Wunderschöne“ – Ein russisches Volksmärchen

4. Feuer als ein Bild für Transformationsprozesse und Wandlung
Feuer als Bild für Wandlung und Transformation

Auch in dem Grimm´schen Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ muss das Schwesterchen durch das Höllenfeuer, das die Stiefmutter entfacht. Erst das Ersticken (des Alten) gibt ihr die Möglichkeit, neu bzw. verändert zu entstehen und mit der Erlösung des Brüderchens wieder eine vollständige Persönlichkeit zu sein, Ganz zu sein, frei und lebendig. So wie das Feuer frei und lebendig brennt oder aber erstickt, wenn es nicht genährt wird.

Der Scheiterhaufen im Grimm´schen Märchen „Die sechs Schwäne“, in dem das Mädchen verbrennen soll, ist die letzte und radikalste Instanz, die nach all den vorausgegangenen Prozessen, den Befreiungsschlag ermöglicht. An diesem Punkt des Märchenverlaufs sind die Nerven bis auf das Äußerste gespannt (der Bogen ist gespannt – bereit zum Schuss), ist die Aufmerksamkeit bis auf das Äußerste erhöht, sodass die sechs Schwäne genau zum rechten Augenblick auftauchen und sie durch diese Kraft, die Kraft des Feuers, verwandelt werden können.

„…als sie oben stand und das Feuer eben sollte angezündet werden, so schaute sie sich um, da kamen sechs Schwäne durch die Luft dahergezogen. Da sah sie, daß ihre Erlösung nahte, und ihr Herz regte sich in Freude.“
„…die böse Schwiegermutter wurde zur Strafe auf den Scheiterhaufen gebunden und zu Asche verbrannt.“

„Die sechs Schwäne“ – Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm

Feuer verbrennt, was nicht (mehr) zu einem gehört – im Märchen zum Beispiel vertreten durch die Stiefmütterlichen und Stiefschwesterlichen Anteile oder durch die in Tiergestalt verzauberten königlichen Anteile. Auf dem Scheiterhaufen verbrennen z.B. die böse Schwiegermutter in „Die sechs Schwäne“, die Stiefmutter in „Brüderchen und Schwesterchen“ und im „Schneewittchen“ muss sich die böse Stiefmutter auf glühenden Kohlen zu Tode tanzen…

5. Feuer als ein Bild für Wut und auch für Kraft
Feuer als ein Bild für Wut und Kraft

Wut kann zerstörerisch sein und kann auch die Kraft sein, die es bedarf, Kränkendes und Entwürdigendes zu beenden oder Schmerz- und Leidvolles in Annahme, Verzeihen und Liebe zu transformieren. Wut ist eine Energie, die kräftezehrend aber auch, richtig eingesetzt, kraftspendend und krafterhöhend sein kann. Zum Beispiel um notwendige Grenzen zu setzen oder sich zu schützen, um Einhalt zu gebieten und um sich seine Würde zu bewahren.

Aggression ist eine lebenserhaltende Energie. Sie zu unterdrücken wäre Lebensverneinend und Kraftraubend und genauso zerstörerisch wie Tobsucht und Gewalt. Es liegt an der klaren Entscheidung, wie wir Wut anwenden wollen.

Ein cholerischer Mensch hängt in seiner Wut fest und wird von ihr tyrannisiert (und tyrannisiert, in diesem Kreislauf gefangen, seine Mitmenschen), anstatt dass er sich mithilfe der Wut von etwas ihn Schädigenden befreit.

Wütenden Menschen sieht man die Hitze des inneren Feuers deutlich an. Ihr Gesicht wird feuerrot und die Hände sind geballt oder gespannt, bereit zum zerstörenden oder befreienden Schlag.

In dem rumänischen Märchen „Die Tochter in der Flammenburg“, hat ein zwölfköpfiger Drache die Tochter des Königs entführt und hält sie in seiner Flammenburg gefangen. Hier zeigt sich deutlich die Symbolik des Feuers für Wut (der Drache) und auch für Kraft (der Jüngling, der die Wut transformiert und so die Prinzessin befreit)

Somit wird Feuer zur Kraft, die durch das Leben trägt.

Nun kamen sie zu der Flammenburg, wo ihnen die Feuerglut wie eine heiße Wand entgegenkam. Der Jüngling konnte es nicht aushalten und rief: „Halte ein, mein Stier, sonst müssen wir verbrennen.“ Der Stier aber lief ganz nahe heran und spuckte auf einmal das Meerwasser in die Flammen. Das Feuer war erloschen, doch es qualmte und zischte, und der ganze Himmel war mit düsteren Rauchwolken bedeckt.

Nun stürzte der Drache voll Wut aus dem Dampfe hervor. „Jetzt ist es an dir!“, rief der Stier dem Jüngling zu. „Siehe zu, dass du dem Ungeheuer alle zwölf Häupter auf einmal abschlägst!“ Der Jüngling nahm all seine Kraft zusammen, fasste das gewaltige Schwert mit beiden Händen und versetzte dem Ungeheuer einen schrecklichen Schlag, dass sämtliche Häupter herunterflogen. Das Untier ringelte sich aber noch so heftig, dass die Erde erzitterte. Da nahm der Stier den Drachenkörper auf seine Hörner und schleuderte ihn für immer fort in die Wolken.

„Die Königstochter in der Flammenburg“ – Ein Märchen aus Siebenbürgen


6. Feuer als ein Bild für Leidenschaft und Intimität

Nicht zuletzt in der geschlechtlichen Vereinigung von Mann und Frau entsteht durch Reibung Hitze und durch den erlösenden Knall, dem Orgasmus, der Impuls und die grandiose Möglichkeit zur Entstehung Neuen Lebens.

Feuer als ein Bild von Leidenschaft und Intensität

Auch in einem Konflikt, einem aggressiven Streit oder einer wütenden Auseinandersetzung erhitzen sich die Gemüter, kochen manches mal Emotionen über und wird das innere Feuer angefacht. Streit kann wie ein reinigendes Gewitter sein, das sich zusammenbraut, sodann mit Blitz und Donner entlädt und wieder abzieht.

Dies führt zur Wende, lässt die erhitzten Gemüter sich abkühlen und schließlich sich beruhigen. Somit kommen Reinigungsprozesse in Gang. Dann sorgt das innere Feuer für Klarheit, Wahrheit und echter Begegnung. Frischer Mut, neue Lebens – und Liebesenergie haben wieder Raum, sich zu entfalten.

Im Grimm´schen Märchen „Der Froschkönig“ verhilft die überschäumende Wut, den Frosch zu erlösen und in verwandelter Gestalt eines Prinzen die Liebe (zu sich selbst) ins Leben zurück zu holen. Der Weg wird (wieder) frei in ein von Selbstliebe und Liebe erfülltes und getragenes Leben.

„Die Königstochter fing an zu weinen und fürchtete sich vor dem kalten Frosch, den sie nicht anzurühren getraute, und der nun in ihrem schönen reinen Bettlein schlafen sollte…Als sie aber im Bette lag, kam er gekrochen und sprach „ich bin müde, ich will schlafen so gut wie du: heb mich herauf, oder ich sags deinem Vater“. Da ward sie erst bitterböse, holte ihn herauf und warf ihn aus allen Kräften wider die Wand, „nun wirst du Ruhe haben, du garstiger Frosch.“ Als er aber herabfiel, war er kein Frosch, sondern ein Königssohn mit schönen freundlichen Augen.“

„Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“, Gebrüder Grimm

7. Feuer als ein Bild für Willenskraft

Feuer als ein Bild von Wut und Kraft

Feuer kann auch ein Schutz sein und als Schutzwall aufrecht erhalten werden. So muss, wie im schon zuvor erwähnten siebenbürgischen Märchen “Die Königstochter in der Flammenburg“, dieser flammende Wall durchbrochen werden, um die dahinter stehenden Kräfte zu befreien.

Der Drache (oft ja auch Feuer speiend dargestellt) kommt aus dem erloschenen dampfenden Feuer hervor, eine letzte mit aller Kraft sich aufbäumende Wut, die auch besiegt werden muss, um das dahinterliegende, gefangen gehaltene zu befreien – die Königstochter.

Mit der Kraft des Helfertieres Stier mobilisiert der Märchenheld seine inneren Kräfte und scheut nun nicht mehr die Konfrontation mit dem Drachen (zerstörerische Kräfte in ihm selbst). Er muss durch das Feuer gehen, um sich zu läutern, wieder Ganz zu werden.

Die zarten Aspekte in ihm, verkörpert durch die zu befreiende Prinzessin, müssen anerkannt und zu einem Teil von ihm werden. Dazu muss er sich seinen inneren Schatten, verkörpert durch den Drachen, stellen.

Es kann auch sein, dass es nicht um das Löschen des Feuers (der aufrechterhaltenen Wut als Schutz) geht, sondern dass das Feuer bzw. der Zugang zum Feuer freigelegt werden muss.

Feuer als ein Bild für Willenskraft

So muss im Grimm´schen Märchen „Rumpelstilzchen“ der innere Saboteur benannt werden, um sich nicht zu versklaven und zu verkaufen an eine Macht in einem selbst, die allherrschend bzw. alleinherrschend sein will.


Was nämlich zunächst hilfreich sein mag, wie das Männchen, das der Müllerstochter Stroh zu Gold spinnt und ihr somit auf ihrem Weg von der Müllerstochter zur Königin, vom einfachen Mädchen in die königliche (Selbst)Würde verhilft, entpuppt sich als gieriger, egoistischer und größenwahnsinniger Anteil.

Das Kind, das aus der gewachsenen Königswürde heraus entstand, soll die Königin einem ver-rückten Männlein überlassen. Somit wäre sie allerdings nicht (mehr) Königin bzw. Herrin über sich selbst, Herrscherin über ihr eigenes inneres Feuer, ihrer Lebenskraft und Lebensenergie. Denn bisweilen tanzt das irre Männchen noch um dieses Feuer…

Aber auch hier hilft die Kraft der Wut, den sabotierenden Anteil zu überwinden:

„Den dritten Tag kam der Bote wieder zurück und erzählte „neue Namen habe ich keinen einzigen finden können, aber wie ich um einen hohen Berg um die Waldecke kam, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagen, so sah ich da ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer, und um das Feuer sprang ein gar zu lächerliches Männchen, hüpfte auf einem Bein und schrie

„Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist, daß niemand weiß,
daß ich Rumpelstilzchen heiß!“

„Nun, Frau Königin, wie heiß ich?“ Da fragte sie erst: „Heißt du Kunz?“ „Nein.“ „Heißt du Heinz?“ „Nein.“ „Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“

„„Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt,“ schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.“

„Rumpelstilzchen“ – Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Märchenbetrachtung am Feuer

Anmerkung: Das Märchen „Rumpelstilzchen“ kann wie jedes andere Volksmärchen auch unter je einem anderen Aspekt betrachtet und interpretiert werden. Diese Märchenbetrachtung ist eine Möglichkeit und hat keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Es darf als Anregung vestanden werden, sich selbst „ein Bild“ zu machen, Assoziationen aus dem eigenen Inneren aufsteigen und sich vom Märchengeschehen berühren zu lassen.

8. Feuer als ein Bild für die Liebe

Feuer als Bild für Liebe

Die Glut des Feuers ist rot. Wie auch das Blut des Lebens rot ist und ebenso die durchbluteten Organe des Körpers. Rot, sagt man, ist die Liebe…die Liebe entspringt dem Herzen – hier fühlen wir sie am intensivsten. Das Herz befördert das Blut rhythmisch, unaufhörlich und selbständig durch den Körper. Blut pulsiert durch die Adern. Unser Herzschlag, der Lebenstakt, hält uns lebendig und am Leben. Herzschlag, der das Feuer entfacht, Leben bewahrt und aufrecht hält.

Das Herz ist die Quelle unseres körperlichen und emotionalen Lebens. Hier sprudelt es heraus und speist uns mit blut- und gefühlvoller Energie. Hier verorten wir die Liebe. Die Liebe, die in uns brennt wie Feuer und wärmt wie rote Glut. Doch sind wir in der Verantwortung, uns um dieses Feuer zu kümmern, damit es nicht verkümmert, es am Leben zu halten und zu nähren, damit es nicht verhungert, ausbrennt und zum Burnout führt. Dann nährt es auch uns, mit all seiner Kraft, Wärme und Liebe.

„Die Herrin des Feuers“, eine nordsibirische Mythe, greift dieses Bild auf:

„Da schrie das Kindchen plötzlich auf und weinte sehr. Ein Funke vom Feuer war auf die Brust des nackten Kleinkinds gesprungen und hatte ihm die Haut verbrannt. Die Mutter sprang auf, legte das Kind in die Wiege und beschimpfte das Feuer aus Leibeskräften: „Was fällt dir ein? Ich füttere dich unablässig, und du tust meinem Kind weh. Von mir bekommst du kein Holz mehr! Ich werde dich mit der Axt zerhacken und mit Wasser auslöschen!“…“So war es, das Feuer war ausgegangen, schnell wurde es kalt und finster im Filzzelt.“…„Da besann sich die erzürnte Mutter und versuchte, das Feuer wieder anzufachen.“…“Herrin des Feuers, bitte grolle uns nicht, gib uns das Feuer zurück.“…“Ich gebe euch das Feuer, wenn mir diese Frau ihren Sohn gibt. Aus seinem Herzen werde ich die neuen Flammen aufspringen lassen. So werden die Menschen immer daran denken, dass das Feuer aus dem Herzen eures Kindes kommt, und dann werdet ihr es besser hüten.“

„Die Herrin des Feuers“, nordsibirische Mythe der Selkupen

Feuer als ein Bild von Wut und Kraft

Wenn wir uns von unserem inneren Feuer wütend abwenden, es verschmähen, weil wir dem Leben zürnen mit all seinen Aspekten, dann wird es sehr schnell finster und kalt in uns. Erst wenn wir uns in Liebe, Einsicht und Hingabe uns selbst zuwenden, mit der Begeisterung und dem Vertrauen eines Kindes dem Leben begegnen, dann brennen, leben und lieben wir! Aus uns heraus authentisch und zu uns selbst stehend und nicht unser inneres Licht dimmend klein und versteckt hinter einer Maskerade oder größenwahnsinnig und egozentrisch.

9. Das Herdfeuer als ein Bild für Geborgenheit und Heimat

Das Herdfeuer als ein Bild für Geborgenheit und Heimat

Als der Mensch lernte, selbst Feuer zu machen, konnte er sich ein Zuhause aufbauen. Wo ein Feuer in der Mitte einer Gemeinschaft brennt, da fühlt man sich zuhause. Sei es als Nomadenstamm, auf Reisen oder sesshaft an einem bestehenden, festen Ort – das Herdfeuer wärmt uns, spendet uns Licht und lässt das Essen gar und schmackhaft werden. Das Herdfeuer führt die Menschen in eine Gemeinschaft.

Am Feuer werden Geschichten erzählt, gesungen, zugehört und beratschlagt. Ein Gefühl von Zugehörigkeit und Geborgenheit stellt sich ein. Auch das Feuer und sein Lichtschein in einer Hütte im Wald lässt den verirrten Märchenhelden zur Ruhe kommen, sich sammeln und rüsten für seinen weiteren Weg.

Wo ein Feuer brennt, da sind Menschen, da hat die Einsamkeit, das Verlorenheitsgefühl ein Ende. Doch tragen wir die Heimat auch immer in uns. Wir sind zuhause, wo ein Feuer brennt und wir sind da zuhause, wo unser inneres Feuer brennt – in unserem eigenen Herzen!

„Bald sah der Königssohn, daß das Licht von einem Waldhäuschen kam, und bald danach stand er vor der Tür des Waldhäuschens und die Tür ging auf, als ob er erwartet wäre. Vor ihm auf der Schwelle der Türe stand ein alter, weiser Mann mit gütigen Augen, der ihn grüßte, ihn willkommen hieß und ihn fragte „Wohin gehst du? Und was suchst du?““…“Und der alte Mann ließ ihn hereinkommen, bewirtete ihn und gab ihm eine Lagerstätte für die Nacht. Der Königssohn verbrachte im Waldhäuschen eine recht gute Nacht.“

Aus dem Märchen „Die goldene Kugel“ von Jean Ringenwald

10. Hüter des Feuers – aus dem Liederalbum von Sarah Schmidt

November 2019, © Sarah Schmidt

Hüter des Feuers

Heyhow, Heyhow, Heyhow, Heyhow

Hüter des Feuers, es brennt in Dir.
Verlasse es nie, sonst wird es dunkel hier, und kalt.
Hüte Dein Feuer, so erlischt es nie.
Und Du gibst Kraft und Wärme, anderen und Dir, jetzt und hier.

Bist Heimat und Hafen für Deine wilde Seele.
Im warmen Raum der Geborgenheit, fühlst Du Deine Lebendigkeit.

Doch verlasse nie Deinen Herzensraum, um nach außen zu schauen.
Sonst bist Du verloren, heimatlos und ohne Trost.

So komm ins Vertrauen und brenne in Liebe, mit Mut und Kraft.
Von der Quelle gegeben ist das, die Gabe die Du hast:
Dein Feuer zu hüten und Dich selbst bedingungslos zu lieben!

Hüter des Feuers, es brennt in Dir.
Verlasse es nie, sonst wird es dunkel hier, und kalt.
Hüte Dein Feuer, so erlischt es nie.
Und Du gibst Kraft und Wärme, anderen und Dir, jetzt und hier.

Heyhow, Heyhow, Heyhow, Heyhow


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Kontakt / Buchung

Sarah Schmidt

Telefon 06223 – 7299225

Email:

Sarah Schmidt – Märchen- und Geschichtenerzählerin, Kursleiterin für Erzählkunst sowie kreative Prozessbegleitung:

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